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| Tipps für Senioren Pflegeheim-Bewohner besser ernähren Die meisten Senioren möchten sich so lange wie möglich selbst versorgen. Und 70 Prozent der 80- bis 90-Jährigen gelingt das auch recht gut. Probleme gibt es in Alten- und Pflegeheimen. Aber auch dort kann man Menschen helfen, sich richtig zu ernähren. Eine vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz geförderte Studie zur "Ernährung älterer Menschen in stationären Einrichtungen" ergab, dass zwei Drittel der Untersuchten die empfohlenen Zufuhrmengen an Vitaminen, Mineralien und Ballaststoffen nicht erreichen. Die Studie zeigte außerdem, dass die Einrichtungen zwar bemüht waren, eine altersgerechte Kost anzubieten. Das Problem war jedoch, dass manche Heimbewohner das Essen wegen körperlicher und geistiger Einschränkungen kaum zu sich nehmen konnten. Hier sind vor allem die Pflegekräfte gefordert. Die Atmosphäre ist wichtig Es geht um mehr, als nur sicherzustellen, dass alte Menschen irgendwie genug Nährstoffe bekommen. Dazu Ulrike Böhm-Bachmann, Ernährungswissenschaftlerin und Referentin für Hauswirtschaft beim Caritasverband der Erzdiözese Freiburg, auf einer Pressekonferenz: "Die Atmosphäre beim Essen spielt eine besonders wichtige Rolle. In Einrichtungen, in denen keine Hektik beim Anreichen der Speisen aufkommt, das Essen schön angerichtet ist und Zeit für persönliche Zuwendung bleibt, essen hochbetagte, pflegebedürftige Menschen viel besser." Das liebevolle Anrichten der Speisen und das Ansprechen der Sinne wirken oft Wunder. "Geschirrgeklapper und Kaffeeduft sind appetitanregend. Obst in Stücken angeboten und hübsch angerichtet, wird viel lieber gegessen." Die Mahlzeiten bringen so auch deutlich mehr Lebensqualität. Es ist außerdem meist möglich, Senioren zum ausreichendem Trinken anzuregen. "Warum immer nur Wasser, Kräuter- oder Früchtetee?", fragt Böhm-Bachmann. "Individuelle Wünsche müssen auch hier berücksichtigt werden." Tipp: Senioren, die demnächst in eine Pflegeeinrichtung gehen, sollten sich zuvor erkundigen oder sich ansehen, ob man dort für eine schöne Atmosphäre beim Essen sorgt. Und ob persönliche Wünsche beim Speiseplan möglich sind. Einheitskost ist der falsche Weg Laut Böhm-Bachmann haben immer mehr Einrichtungen erkannt, dass der Schlüssel zu einer guten Ernährung gerade bei Risikopatienten auch in einem individuelleren und flexibleren Speiseplan liegt. "Die Vorlieben des alten Menschen müssen stärker berücksichtigt werden. Man muss dazu die Biographie und die früheren Lebensgewohnheiten einbeziehen. Ein starrer Einheitsspeiseplan für alle ist sicher keine gute Lösung." Besonders schwierig ist es, Menschen gut zu ernähren, die nicht mehr in der Lage sind, ausreichend Nahrung zu sich zu nehmen. Das gilt auch für Demenzpatienten. Sie sind oft unruhig und lassen sich nur ungern länger am Mittagstisch nieder. Für sie gibt es inzwischen in vielen Einrichtungen "Ess-Stationen" in den Fluren. Hier liegt Fingerfood bereit, das sie mühelos zwischendurch oder auf dem Weg essen können. Angehörige sollten ruhig fragen oder sich ansehen, wie eine Pflegeeinrichtung die ausgewogene Ernährung dementer Menschen sicherstellt. Böhm-Bachmann will den häufigen Einwand, dass die Kosten für flexible Konzepte zu hoch seien, nicht gelten lassen. "In der Praxis zeigt sich, dass auch Häuser mit niedrigem Budget ihre Senioren gut verpflegen können." Tipp: Sie besuchen öfter einen Menschen in einer Altenpflegeeinrichtung? Bringen Sie doch mal ein Stück selbst gebackenen Kuchen oder die Lieblingswurst vom Hausmetzger mit. Selbstgemachtes und Altbekanntes wirken appetitanregend! Claudia Nöllke |
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