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08.09.2010, 18:54

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Eingerissene Mundwinkel richtig behandeln

Schon zum dritten Mal kaufte Frau M. eine Salbe gegen Lippenherpes. Das kam mir merkwürdig vor. Und so fasste ich mir ein Herz und sprach sie darauf an.
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Haut & Haar
Aus der Kolumne von Apothekerin Ursula Kindl:

Eingerissene Mundwinkel richtig behandeln

Schon zum dritten Mal kaufte Frau M. eine Salbe gegen Lippenherpes. Das kam mir merkwürdig vor. Und so fasste ich mir ein Herz und sprach sie darauf an.

"Ihr Herpes wird einfach nicht besser", begann ich vorsichtig. "Wie lange haben Sie denn schon die Beschwerden?" "Sie haben recht", entgegnete die Kundin. "Seit etwa sechs Wochen habe ich diese Bläschen im Mundwinkel, und sie tun auch noch höllisch weh. Dabei habe ich schon alles Mögliche versucht." "Was haben Sie denn bisher getan?", hakte ich nach. "Zuerst hatte ich nur eingerissene Mundwinkel, die habe ich mit Ringelblumen-Tinktur betupft. Darauf wurde es noch schlechter. Dann bekam ich von einer Freundin Teebaumöl, das kannte ich noch von früher. Aber meine Mundwinkel wurden feuerrot und brannten. Und jetzt schmiere ich bereits die dritte Tube Herpescreme."

"Ich habe da einen Verdacht", meinte ich. "Vielleicht ist das, was sie da im Mundwinkel haben, gar kein Herpes, sondern ein Kontaktekzem. Dafür würde auch sprechen, dass die Beschwerden durch die von Ihnen genannten Pflanzenauszüge eher verschlimmert wurden. Am besten ist, Sie lassen sich gleich einen Termin beim Hautarzt geben." Ein paar Tage später berichtete die Kundin bei einem erneuten Besuch in der Apotheke: "Sie hatten recht, das war gar kein Herpes. Ich hatte eingerissene Mundwinkel, die ich falsch behandelt habe. Jetzt hat sich gezeigt, dass ich allergisch auf bestimmte Pflanzen reagiere. Das wusste ich gar nicht."

Es ist bekannt, dass allergische Reaktionen oft bei verletzter oder trockener Haut auftreten. Durch die gestörte Hautbarriere dringen leicht alle möglichen Stoffe ein, die bei entsprechender Veranlagung eine allergische Reaktion auslösen können. Damit sich die Entzündung bei Frau M. besserte, hatte der Arzt ihr ein niedrig dosiertes Kortisonpräparat verschrieben. Ihre Frage an mich: "Und was mache ich danach? Ich möchte nicht, dass dann wieder alles von vorne beginnt. Angefangen hat es ja mit den eingerissenen Mundwinkeln."

Um dagegen etwas zu empfehlen, galt es, noch einiges abzufragen. Eingerissene Mundwinkel können verschiedene ­Ursachen haben, die dann möglicherweise ein Arzt beurteilen muss. Oft entstehen sie nach einem Zahnarztbesuch, wenn der Mund überdehnt wurde. Auch durch starke Speichelbildung, bedingt durch schlecht sitzende Prothesen, Zahnspangen oder "Aufbiss-Schienen" können die Mundwinkel aufgeweicht werden und einreißen. Seltener sind ein Eisen- oder Vitamin-B-Mangel. Gefährdet sind auch Menschen, die Schuppenflechte, Neurodermitis oder Diabetes haben. All dies konnte ich bei Frau M. ausschließen.

"Leiden Sie unter trockenen Lippen?", wollte ich dann wissen. "Ja, das stimmt", antwortete sie. "Und was tun Sie dagegen?" "Ich habe einen Lippenpflegestift, den ich morgens und abends benutze." Diese Antwort hatte ich erwartet, und so fragte ich nach: "Und dazwischen, wenn die Lippen trocken sind, lecken Sie sie kurz mit der Zunge ab, stimmt's?" Frau M. nickte.

Schon Kinder haben die Angewohnheit, sich trockene Lippen zu lecken. Das ist falsch, denn Lippen brauchen vor allem Fett. Deshalb sollte man immer dann, wenn man in Versuchung ist, sie abzulecken, einen Lippenpflegestift oder eine Lippencreme auftragen. So lässt sich rauen Lippen, Einrissen und Entzündungen vorbeugen. Sind die Mundwinkel feucht, müssen sie vor dem Auftragen trocken getupft werden. Daher mein Rat an Frau M.: "Nicht vergessen, die Mundwinkel schön trocken halten und fetten, fetten, fetten."


Der persönliche Tipp

Trockene Lippen und eingerissene Mundwinkel sind ideale Eintrittspforten für Bakterien, Viren und Pilze. Zeigen sich weißliche Beläge oder Krusten, ist eine ärztliche Behandlung nötig.


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