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02.09.2010, 19:30

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Editorial



Heinz-Günter Wolf
Heinz-Günter Wolf

Liebe Leserinnen und Leser,

erneut wird öffentlich und äußerst vielstimmig über die Gesundheitsversorgung der Deutschen gesprochen. Doch diese Debatte ist unsinnig und ziellos: Denn seit Jahren beobachten Politik und Experten, dass das deutsche System kein Ausgaben-, sondern ein dezidiertes Einnahmeproblem hat. Die renommierte Bertelsmann-Stiftung hat kürzlich eine Studie veröffentlicht. Das Ergebnis: Die Ausgaben für die Gesundheitsversorgung der Deutschen haben einen seit Jahren unveränderten Anteil an der Wirtschaftsleistung insgesamt.

Natürlich können auch Apothekerinnen und Apotheker, können die fast 150000 Menschen in den Apotheken ihren Beitrag leisten, um dieses System zu stabilisieren. Der Schlüssel dazu ist aber eben die Apotheke selbst. Diejenigen, die mit immer neuen Vorschlägen und Sparappellen uns alle verunsichern, stellen insgeheim die Frage, ob viele Leistungen, zum Beispiel der kostenintensive, flächendeckende Nacht- und Notdienst, noch in dieser Intensität gewollt sind.

Kaum wahrgenommen werden aktuell die Folgen, die eine Umstellung der Honorierung des pharmazeutischen Großhandels für die Apotheken nach sich ziehen könnte. Experten gehen davon aus, dass die deutschen Apotheken mit schier unglaublichen bis zu 500 Millionen Euro jährlich belastet werden – damit verliert jede Apotheke rund 23000 Euro Rohgewinn. Die Folgen sind fatal, denn dieser Verlust macht mehr als ein Drittel des Gewinns der Apotheken aus. Nicht nur die Apotheken selbst, sondern auch deren Mitarbeiter, beispielsweise 10000 Auszubildende, werden darunter leiden. Wir rechnen mit einer dramatischen Veränderung der Lieferfrequenz, der Verfügbarkeit von Arzneimitteln. Zwangsläufig führt eine solch unbedachte Politik zu Kürzungen, Verknappung und Qualitätsminderung.

Wir Apotheker wollen Sie ganz persönlich und täglich mehr als 4 Millionen Menschen gut versorgen können. Dafür brauchen wir mehr Fairness in der öffentlichen Debatte und erwarten mehr Verständnis in der Politik für ein hoch komplexes System. Wir wissen: In Deutschland haben wir nicht die teuerste, sondern die beste Arzneimittelversorgung weltweit. Lassen auch Sie es nicht zu, dass dieses System stillschweigend zerstört wird.

Heinz-Günter Wolf
Präsident der ABDA - Bundesvereinigung
Deutscher Apothekerverbände


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