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08.09.2010, 19:04

Diabetes-Lexikon &
Fachbegriffe Diabetes


Wer mit Diabetes konfrontiert wird, muss mit allerlei neuen Begriffen zurechtkommen.

Die wichtigsten Kürzel erklären wir hier für Sie.


Blutzucker Tagebuch

Die Dokumentation der Blutzuckerwerte, der gegessenen Kohlenhydrate und der gespritzen Insulinmenge ist sehr wichtig, um eine gute Qualität der Stoffwechseleinstellung zu erreichen.

Wenn Sie dazu Ihren Computer nutzen möchten, können Sie hier bei uns ein komfortables Blutzucker-Tagebuch herunterladen.


Informationen für Diabetiker

Unterzucker – wie man richtig reagiert

Dr. med. Katrin Krieft
Dr. med. Katrin Krieft
Bei Nichtdiabetikern kommen sie so gut wie nie vor. Für Typ-1-Diabetiker und für viele Typ-2-Diabetiker gehören sie zum Alltag: Unterzuckerungen. Wie die Autorin dieses Beitrages ein solches Ereignis erlebt hat und was man bei Unterzuckerungen tun sollte, lesen Sie hier.

Es fing alles ganz harmlos an: Nach einem langen Urlaubstag hatten wir Hunger und wollten essen gehen. Meine Tochter war müde und begann zu weinen. Im Restaurant fanden wir keinen Tisch. "Mir wird’s hier zu viel!", sagte ich zu meinem Mann und fuhr mit der Kleinen in die Ferienwohnung.

Für die meisten Diabetiker kommt die Unterzuckerung aus heiterem Himmel. Oft sinkt der Blutzucker in kurzer Zeit dramatisch. Bei Blutzuckerwerten von unter 60 Milligramm pro Deziliter (mg/dl) beziehungsweise 3,3 Millimol pro Liter (mmol/l) sprechen Ärzte von einer leichten Unterzuckerung. Mit Insulin oder Insulin stimulierenden Medikamenten behandelte Diabetiker haben einer Untersuchung zufolge etwa einmal wöchentlich solche Werte. Blutzuckerwerte unter 40 mg/dl (2,2 mmol/l) sind eher selten. Sie treten im Schnitt alle zwei Jahre auf.

Als ich in die Wohnung kam, fiel mir ein, dass ich seit mittags meinen Blutzucker nicht gemessen hatte. Nun gut, das musste jetzt warten. Das Kind sollte jetzt erstmal ins Bett! Ich selbst fühlte mich auf einmal wie erschlagen und hätte mich am liebsten auch gleich hingelegt. Mit fahrigen Bewegungen wickelte ich Hannah. Als ich sie ins Bett legte, fiel ein Schweißtropfen von meiner Stirn auf ihr Kopfkissen.

Unterzuckerungen machen durch typische Alarmsymptome auf sich aufmerksam: Schweißausbrüche, Heißhunger und Zittrigkeit sind typische Zeichen, auf die man sofort reagieren sollte. Es gibt dann nichts Wichtigeres, als sofort den Blutzucker zu messen oder auf Verdacht etwas Traubenzucker zu sich zu nehmen. Ist der Wert zu hoch, machen diese zusätzlichen Broteinheiten keinen großen Unterschied. Ist er zu niedrig, können sie lebensrettend sein.

Ich stand unschlüssig vor dem Kühlschrank. "Was soll ich essen?" Ich konnte mich kaum konzentrieren. "Blutzuckermessen!", schoss es mir durch den Kopf. Ich nestelte das Messgerät aus meiner Tasche. Dann sah ich schwarz auf weiß, was ich vermutete: Mein Blutzucker lag bei 39 mg/dl (etwa 2,2 mmol/l). Konzentrationsschwäche, Zittrigkeit, Schweißausbrüche: Nun fügte sich ein Puzzleteil zum anderen. Automatisch griff ich zur Cola-Flasche, die ich für Notfälle immer im Kühlschrank habe. Zusätzlich stopfte ich mir Traubenzucker in den Mund.

Wichtig für Diabetiker: immer ein paar schnell wirksame Kohlenhydrate parat zu haben. Cola und gesüßte Säfte eignen sich im Notfall ebenso wie Traubenzucker, der zur Grundausstattung des Diabetikers gehören sollte. Im Zweifel gilt: lieber zu viel als zu wenig. Von Schokolade oder anderen fetthaltigen Süßigkeiten sollte man jedoch lieber die Finger lassen. Der in ihnen enthaltene Zucker wird durch das Fett zu langsam ins Blut aufgenommen. Für schwere Unterzuckerungen gibt es in der Apotheke ein sogenanntes Hypokit. In ihm ist das Hormon Glukagon enthalten, das die Zuckerfreisetzung aus der Leber anregt.

Inzwischen lief mir der Schweiß in Strömen über das Gesicht. Einen so heftigen Unterzucker hatte ich schon lange nicht mehr. Durch Cola und Traubenzucker wurde ich im Kopf wieder klar und versuchte zu analysieren, wie mein Blutzucker so sehr abstürzen konnte.

Die Ursachen für eine Unterzuckerung sind fast immer die gleichen: körperliche Aktivität, zu wenig Kohlenhydrate gegessen, zu viel Insulin gespritzt oder eine verstärkte Wirkung der Insulin stimulierenden Medikamente, ein zu langer Spritz-Ess-Abstand oder Alkohol. Wichtig ist, dass man die Ursachen für den Blutzuckerabfall kennt und regelmäßig den Blutzucker misst. Dann kann man häufig schon auf sinkende Werte reagieren, bevor es zu einer Unterzuckerung kommt.

Die körperliche Aktivität auf dem langen Spaziergang. Dazu nur eine Banane, die ich mittags gegessen hatte. Und natürlich die Tatsache, dass ich den ganzen Nachmittag über nicht einmal meinen Blutzucker gemessen hatte. Für einen ordentlichen Unterzucker braucht es nicht viel. Und so schnell, wie er gekommen war, so schnell war er jetzt wieder vorbei.

Häufig schießt der Blutzucker nach einer Unterzuckerung über das Ziel hinaus. Diese Gegenregulation hängt nicht nur damit zusammen, dass mehr Kohlenhydrate eingenommen wurden, als notwendig gewesen wären. Die Stresshormone, die in einer Unterzuckerung ausgeschüttet werden, sorgen ebenfalls für einen saftigen Blutzuckeranstieg, den man kaum vermeiden kann. Denn für den Körper ist nur wichtig, dass der Blutzucker wieder steigt, eine Begrenzung nach oben ist nicht vorgesehen. Daher ist auch nach einem überstandenen Unterzucker ein häufiges Blutzuckermessen das A und O.

Eine Stunde später kam mein Mann nach Hause – mit einer Portion Nudeln aus dem Restaurant. "Du hast seit heute Morgen nichts Richtiges gegessen. Ich habe etwas mitgebracht, damit du nicht unterzuckerst", sagte er. Ich konnte nur müde lächeln.

Dr. med. Katrin Krieft

Wie Sie Unterzucker vermeiden

1. Messen! Messen! Messen! Nur wer seinen Blutzucker regelmäßig kontrolliert, weiß, in welche Richtung er sich bewegt und ob Unter- oder Überzucker drohen.
2. Bei ungewohnten Nahrungsmitteln die Medikamentendosis lieber vorsichtig kalkulieren und nach ein paar Stunden noch einmal nachmessen und dann die Dosis anpassen.
3. Vorsicht mit Alkohol! Er senkt den Blutzucker, aber wie stark und wann genau lässt sich nicht vorhersagen.
4. Achtung bei Sport! Der Blutzucker sinkt nicht nur während der körperlichen Aktivität, -sondern noch einige Stunden danach. Häufiges Messen ist nach Sport Pflicht!
5. Familie und Freunde einweihen! Manchmal merken die Menschen in Ihrer Umgebung viel eher als Sie selbst, dass Sie unterzuckert sind. Wichtig ist daher, dass sie sowohl mit den Symptomen als auch mit den Notfallmaßnahmen vertraut gemacht werden.


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