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10.03.2010, 0:09
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Leserfrage des Monats
"Können Sie mehr über das Arzneimittel Methylphenidat für hyperaktive Kinder berichten? Wird es zu oft gegeben?"

Dr. Martin Hulpke-Wette
Dr. Martin Hulpke-Wette
Aus medizinischer Sicht antwortet der Kinderherzspezialist Dr. Martin Hulpke-Wette aus Göttingen. Er betreut viele Kinder, die den Wirkstoff benötigen und ist Mitglied der Kommission für Arzneimittelsicherheit im Kindesalter der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin.

In einer 2003 bis 2006 durchgeführten Untersuchung mit rund 14800 Kindern und Jugendlichen in Deutschland gaben 4,8 Prozent der Teilnehmer an, dass bei ihnen eine Aufmerksamkeits- und/oder Hyperaktivitätsstörung (ADHS) festgestellt wurde. Bei 4,9 Prozent bestand der Verdacht auf eine Aufmerksamkeitsstörung. Etwa 2,5 Prozent aller Kinder erhielten zur ADHS-Behandlung den Arzneistoff Methylphenidat oder Atomoxetin. Es besteht dabei kein Zweifel mehr, dass es Patienten gibt, die ohne diese Medikamente nur unter größten Schwierigkeiten ihren schulischen und sozialen Lebensweg beschreiten können. Untersuchungen von Krankenkassen erbrachten Hinweise, dass auffällige Kinder nicht zu häufig die Diagnose ADHS und nicht übermäßig häufig Medikamente erhalten.

Die Diagnose ADHS stellen und die Therapie mit Medikamenten wie Methylphenidat verordnen sollten nur Kinder- und Jugendpsychiater sowie durch intensive Aus- und Fortbildung dafür qualifizierte Ärzte. Die Untersuchungen vor der Diagnose sind sehr umfangreich. Bei der Behandlung sollte man vor dem Einsatz von Medikamenten immer erst eine verhaltenstherapeutische Maßnahme erwägen. Erhält ein Patient Medikamente gegen ADHS, muss er regelmäßig auf mögliche Nebenwirkungen untersucht werden. Dazu gehören unter anderem Kontrollen von Gewicht, Blutdruck, Puls und Herzstromkurven (EKG) sowie des Blutbildes und der Leberwerte. Man muss wissen, dass Patienten eine Bluthochdruck-Erkrankung unter einem Medikament wie Methylphenidat entwickeln können. Ebenso EKG-Veränderungen mit dem Risiko bedrohlicher Herzrhythmusstörungen. Hier sind zu Diagnose und Behandlung Kinderkardiologen und Kardiologen gefragt. Die Möglichkeit einer Therapiepause sollte regelmäßig geprüft beziehungsweise eine Beendigung der Medikamentengabe versucht werden.

Dr. Walter E. Müller
Dr. Walter E. Müller
Aus pharmazeutischer Sicht antwortet Professor Dr. Walter E. Müller, Geschäftsführender Direktor des Pharmakologischen Institutes für Naturwissenschaftler der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt am Main.

Obwohl Methylphenidat zu den stimulierenden Medikamenten zählt, so wie Amphetamin und Methamphetamin, zeichnet es sich durch eine viel geringere Abhängigkeitsproblematik aus. Ein Grund ist die langsamere Anflutung im Gehirn. Außerdem wirkt es auf die Hirnbotenstoffe anders als beispielsweise Amphetamine. Methylphenidat verstärkt die natürliche Aktivität von Nervenzellen im Gehirn und euphorisiert nicht. Und so macht man immer wieder die Erfahrung, dass ADHS-Kinder von Methylphenidat nicht abhängig werden. Es ist im Gegenteil sogar eher so, dass ADHS ohne die medikamentöse Therapie mit einem hohen Risiko verbunden ist, später von Rauschmitteln abhängig zu werden. Hier zeigt die Behandlung einen vorbeugenden schützenden Effekt. Es ist unverantwortlich, wenn von bestimmten Seiten irrationale Ängste wegen Methylphenidat auch heute noch geschürt werden. Methylphenidat ist ein wirksames Medikament. Es zeigt die in den Ausführungen des Kinder- und Jugendmediziners dargestellten Nebenwirkungsprobleme, die aber gut beherrschbar sind, so dass der therapeutische Nutzen bei weitem überwiegt.


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