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Titelthema Schuhlos über Stock und Stein Julian kann sich keinen guten Grund vorstellen, jetzt seine Schuhe auszuziehen und barfuß im Wald weiter zu laufen. Seine Mutter schon. "Hihiii, das pikt", kichert eine Kinderstimme aus dem kleinen Waldstück, in dem der Barfußpfad verschwindet. Am Beginn des Pfades stehen Dutzende Paar Schuhe, kleine und große, und warten auf die Rückkehr ihrer Besitzer. Julian (10) guckt skeptisch: zuerst auf die vielen Schuhe, dann zum Wald und zuletzt auf seine Füße. Sie fühlen sich in seinen Schuhen wohl, und er kann sich keinen guten Grund vorstellen, ohne Schuhwerk zu gehen, schon gar nicht über Untergründe, die sich für seine Füße fremd und unheimlich anfühlen. Sein kleiner Bruder Till (7) hat dagegen Schuhe und Strümpfe schon ausgezogen und wartet ungeduldig. "Barfußlaufen ist gesund, da könnt ihr die Natur mal richtig spüren", erklärt ihm sein Vater. Julian überzeugt das wenig, aber er will kein Spielverderber sein. Barfuß im Park Der Barfußpfad befindet sich im Park von Schloss Freudenberg in Wiesbaden, einem beliebten Ausflugsziel nicht nur für Familien, in dem es auch sonst eine Menge zu entdecken gibt. Etwa 1 000 Meter schlängelt sich der Barfußpfad durch ein kleines Waldstück. Es gibt 35 verschiedene Untergründe zu entdecken, auch eine Schlamm-Mulde, um die Julian dann doch einen Bogen macht. Man kann eine kleine und eine große Runde laufen, oder nur die kleine, je nachdem, wie entdeckerfreudig man ist. Till: "Ich lauf’ beide!" In der Mitte der großen Runde gibt es Steinplatten fürs "Barfußdenken". Das sind Steinplatten mit Gravuren rund um die Themen Stehen und Gehen, die man mit den Füßen ertasten kann. Fußfühlpfade, Barfußpfade, Barfußwanderwege: Über 50 solcher Wege gibt es in Deutschland. Die kürzeren sind einige Hundert Meter lang. Längere führen über mehrere Kilometer hinweg. Auf manchen Strecken gibt es Bachläufe, Balancierstationen oder Wassertretbecken. Die Grundidee fasst Sigrid Schwarz, Pressebeauftragte von Schloss Freudenberg, so zusammen: "Barfußgehen hat viel mit Begreifen zu tun, es beeinflusst das Fühlen und das Denken. Manche kommen richtiggehend belebt von dem Barfußpfad herunter." Für Till gilt das ganz sicher: "Mit Augen zu", ruft er, und seine Mutter nimmt ihn bei der Hand. Er wühlt mit den Zehen in einem warmen, feinen Untergrund "Sand!". Je weiter er gräbt, umso kühler wird der Boden. Aber wenn er ruhig darauf steht, wird er sogar richtig fest. Genug gegraben. Neugierig tastet er sich weiter vor. "Jetzt vorsichtig gehen", warnt ihn seine Mutter. Langsam macht er einen Schritt nach vorn und zieht den Fuß wieder zurück. "Echt hart", meint er, "und gnubbelig." Er versucht es noch einmal. Seine Zehen fühlen vor. Vorsichtig stuppst er die "Gnubbel" an. "Tannenzapfen!", ruft er, als seine Füße sie erkannt haben, und geht beherzter weiter, die Augen immer noch geschlossen. Sein Bruder folgt ihm mit sicherem Abstand und offenen Augen. Seine inzwischen schuhlosen Füße haben die Tannennadeln für sich entdeckt. Überraschend weich und federnd ist der Untergrund. Barfußlaufen ist gar nicht so übel, wie er erst gefürchtet hat. Fußmassage inbegriffen Sein Vater balanciert inzwischen vorsichtig über Kieselsteine und rudert dabei mit den Armen. Seine Füße sind das Barfußlaufen nicht mehr gewöhnt. "Fußreflexzonenmassage inklusive", sagt er und setzt langsam einen Fuß vor den anderen. Barfußlaufen über wechselnde Untergründe trainiert die Beweglichkeit der Fußgelenke und verbessert dabei ihre Stabilität. Auch die Durchblutung kommt in Schwung. Wer allerdings bereits an Fußfehlstellungen leidet, geht besser in seinem stützenden Schuhwerk. Und auch für Diabetiker eignet sich das barfüßige Vergnügen nicht so gut, da sie Fußverletzungen vermeiden sollen. "Noch mal", ruft Till, als die Familie wieder bei ihren Schuhen ankommt, und zieht am Arm seiner Mutter. Apothekerin Maria Pues
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