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Serie: Geheimnisvolle Krankheiten Teil 5: Schizophrenie Schizophrenie verliert ihren Schrecken Menschen mit Schizophrenie interpretieren die Realität anders als "normale" Mitbürger. Die Ursache der Krankheit liegt im Dunkeln. Was viele Menschen nicht wissen: Mit einer frühzeitigen Therapie kann 80 Prozent der Betroffenen geholfen werden. "Gartenbau Schmidt" steht auf der Tür des weißen Kleinbusses, der schon seit morgens am Straßenrand parkt. In dem Bus sitzen drei Männer, die Brote essen und Zeitung lesen. Klarer Fall: Das sind Landschaftsgärtner. Sie verbringen ihre Mittagspause in aller Ruhe und windgeschützt im bequemen Wagen. Aber was, wenn es nicht so ist? "Die standen doch schon gestern hier", denkt sich der an Schizophrenie erkrankte Anwohner. "Das Gartenbauauto benutzen die nur zur Tarnung, um mich zu beobachten! Das sind Agenten von der CIA, die mich jagen!" Die gleiche Szene, zwei völlig verschiedene Interpretationen. Einmal harmlos, einmal bedrohlich, aber aus der Sicht des Betrachters erscheint die Situation jeweils völlig real und plausibel. Professor Dr. med. Markus Leweke vom Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim kennt solche Fälle aus seiner Arbeit: "Patienten mit Schizophrenie nehmen sowohl die Außenwelt als auch ihre innere Welt, also ihr Denken und Fühlen, verändert wahr." Dabei sind solche wahnhaften Wahrnehmungen ebenso an der Tagesordnung wie Denkstörungen oder das Hören von Stimmen, die einen auffordern, etwas zu tun, oder die das eigene Handeln kommentieren. Schizophren = "ver-rückt" "Zwar klingt es abwertend, wenn man sagt ›Du bist verrückt‹, aber der Begriff an sich trifft das, was die Patienten erleben, recht genau", erklärt Leweke. "Ihre Sicht der Welt ist gegenüber ihrem früheren Erleben verschoben, also wortwörtlich verrückt." Aber nicht immer bedeutet Schizophrenie Realitätsverlust. Es gibt auch die sogenannten Negativsymptome wie Interessenlosigkeit, Konzentrationsstörungen oder sozialer Rückzug. "Insgesamt umfasst die Schizophrenie ein sehr breites Spektrum von Merkmalen, die einzeln oder kombiniert auftreten können. Mit dem weit verbreiteten Klischee von der ›gespaltenen Persönlichkeit‹ hat Schizophrenie jedoch nichts zu tun", stellt Leweke klar. Über die Ursachen der Erkrankung wird in der Fachwelt viel diskutiert. "Möglich ist, dass wir es mit einer Gruppe von Erkrankungen zu tun haben, die sich ganz ähnlich äußern", vermutet Leweke. Das mache es besonders schwer, die Ursachen einzugrenzen. Sicher ist lediglich, dass es sich um eine Krankheit des Gehirns handelt und bei etwa zwei Dritteln der Patienten eine erbliche Komponente besteht. Fünf Jahre bis zum ersten Schub Wenn in der Familie schon Fälle von Schizophrenie auftraten, heißt das jedoch nicht zwangsläufig, dass es einen selbst auch trifft. "Meist müssen mehrere Faktoren zusammenkommen", weiß der Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie. "Wer beispielsweise ein genetisches Risiko hat oder Rauschmittel wie Cannabis konsumiert, bei dem kann durch eine Stress-situation die Krankheit ausbrechen." Anfangs merkt der Betroffene davon nicht viel. Es kann bis zu fünf Jahre und länger dauern, bis der erste richtige Schub kommt. In der Frühphase zeigen sich zwar bereits Symptome wie Konzentrationsstörungen, Ängste oder depressive Verstimmungen, diese sind jedoch wenig charakteristisch und werden meist nicht als Vorboten einer Schizophrenie erkannt. Den Freunden und Angehörigen rät Leweke, solche frühen Anzeichen ernst zu nehmen. Eine Konzentrationsstörung könne bei einem Jugendlichen oder jungen Erwachsenen beispielsweise zu einem Leistungsknick führen: Der Einser-Schüler sackt plötzlich auf Vierer-Noten. "Wenn einem so etwas auffällt und der Betreffende sich zudem eigenartig benimmt und sich sozial zurückzieht, kann man das durchaus einem Psychiater zeigen", empfiehlt er. "Wenn man rechtzeitig eingreift, kann man verhindern, dass immer mehr Beeinträchtigungen dazukommen und die Leistungen dadurch zu stark leiden." Die Behandlung der Schizophrenie ruht heutzutage auf mehreren Grundpfeilern. "Das Fundament bilden antipsychotische Medikamente", sagt Leweke. "Wir haben eine breite Palette moderner Wirkstoffe, die alle etwa gleich gut wirken. Welcher für den einzelnen Patienten der beste ist, muss man ausprobieren." Daneben kommen Therapieformen zum Einsatz, die den Patienten helfen, ihren Alltag besser zu bewältigen und soziale Kontakte zu stärken. Für Leweke ist es entscheidend, über die Erkrankung aufzuklären, so dass Betroffene die Kernsymptome erkennen, wenn sie wieder auftreten. Behandlung oft erfolgreich Etwa 80 Prozent seiner Patienten sind durch die Behandlung wieder voll und ganz bereit für den Alltag. Und etwa ein Viertel aller Erkrankten bekommt nach der ersten schizophrenen Episode keine weitere mehr. Selbst bei den Patienten, bei denen die Behandlung nicht optimal anschlägt, verbessert sich laut Leweke die Lebensqualität erheblich. "Die Diagnose Schizophrenie bedeutet also nicht, dass die Patienten ein Leben lang sozusagen seelisch behindert sind. Sie haben eine Erkrankung, deren Symptome man in der Regel so gut unter Kontrolle bringen kann, dass sie ihren Alltag gar nicht oder nur wenig einschränken." Apotheker Rüdiger Freund
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