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"Sie mag Musik nur, wenn sie laut ist" In "Musik nur, wenn sie laut ist" singt Herbert Grönemeyer von einer gehörlosen Frau, die Musik liebt. Allerdings nur bei voller Lautstärke, weil sie erst dann die Bass-Vibrationen spürt. Auch hörende Menschen setzen sich gerne lauter Musik aus. Die Gründe dafür haben oft wenig mit der Musik selbst zu tun. Wer regelmäßig mit öffentlichen Verkehrsmitteln fährt, kennt das: Schüler mit "Knopf im Ohr" haben die Musik von ihren MP3-Geräten so laut aufgedreht, dass die Mitreisenden problemlos mitsingen könnten. "Was soll das?", fragt sich so mancher Mitfahrer. "Macht das nicht die Ohren kaputt?", sorgen sich mitfühlende Zeitgenossen. Beides berechtigte Einwände. Gerade junge Menschen drehen gerne den Lautstärkeregler hoch, sagt Professor Dr. Gunter Kreutz, Musikpsychologe von der Universität Oldenburg. Er hat mehrere Erklärungen dafür: "Jugendliche nabeln sich zunehmend von elterlichen Idealen ab und sind auf der Suche nach der eigenen Identität. Dabei stören sie viele Reize aus der Umwelt. Laute Musik maskiert alles, was sonst noch Aufmerksamkeit fordern könnte. Sie schafft eine wirksame Barriere, um so paradox das klingen mag ›ungestört‹ zu sein." Lautstärke zur Selbstfindung Zugleich putscht laute Musik auf und führt den Körper näher an seine Belastungsgrenze heran. "Viele Jugendliche wollen wissen, wie weit sie gehen können, da sie zumindest das Gefühl haben, ansonsten meistens Grenzen gesetzt zu bekommen", erklärt Kreutz. Er ist überzeugt, "dass weniger der Musikgenuss, sondern Selbstfindung, Abgrenzung und Sinnsuche das Hören lauter Musik motivieren". Ob laute Musik tatsächlich Glückshormone im Gehirn anregt, ließ sich bisher nicht eindeutig beweisen. Sicher sind sich die Wissenschaftler jedoch, dass die kleinen Abspielgeräte bei zu hoher Lautstärke das Gehör schädigen. Kreutz beklagt, dass dieser Gefahr zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt wird. "In den kommenden Jahrzehnten werden wir die Quittung für diesen sträflich vernachlässigten Bereich der Gesundheitsvorsorge präsentiert bekommen." Für die krank machende Wirkung von Geräuschen wie Straßen- oder Fluglärm scheint der Mensch weitaus sensibler zu sein. Sie können Herz-Kreislauf-Erkrankungen fördern, werden aber bereits bei viel geringeren Pegeln als störend empfunden. "Die Bewertung von Schall ist ein sehr komplexer Vorgang. In erster Linie macht unsere Psyche den Unterschied und erst dann der Körper", erläutert Kreutz. Da wundert es nicht, dass der Lärm bei einem Konzert oder die laute Lieblingsmusik aus dem MP3-Spieler nicht bedrohlich erscheinen. Schließlich geben sie einem ein gutes Gefühl. Der Vorschlag, die Lautstärke der kleinen Geräte ab Werk herunterzuregeln, ist so alt wie die ersten tragbaren Kassettenrekorder mit Ohrhörern aus den späten 1970er-Jahren. Kreutz hält ihn für wenig sinnvoll: "Einfach die Lautstärke zu begrenzen, reicht nicht. Denn beispielsweise Bässe enthalten selbst bei geringer Lautstärke enorm viel Energie." Die Geräte sollten seiner Ansicht nach dem Bedürfnis der Hörer nach lautem und direktem Klang entsprechen, aber gesundheitlich unbedenklich sein. "An einer intelligenten Lösung dafür müsste man forschen." Hören so wichtig wie sehen Zugleich spricht er sich dafür aus, schon Kinder zu ermutigen, verantwortlich mit dem Hörsinn umzugehen. "Hören ist mindestens so wichtig wie das Sehen", zeigt sich der Musikpsychologe überzeugt. "Zur Orientierung halten manche Experten das Hören sogar für wichtiger." Apotheker Rüdiger Freund
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