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Titelthema Lachen ist die beste MedizinHumor hilft heilen Der Volksmund hat es immer schon gewusst. Heutzutage beschäftigt sich ein ganzer Wissenschaftszweig damit: Humor und Heilung. Die gute Nachricht: Forscher finden immer mehr Belege, dass Lachen gesund ist. "Lachen ist auf jeden Fall gesundheitsfördernd", findet der Kölner Kabarettist und Humorist Jürgen Becker. "Allein dass wir dafür 88 Muskeln benötigen, zeigt, dass es fit hält." Lachen sei wie eine Schmerztablette, wirke nur doppelt so schnell, glaubte der Komiker Groucho Marx. Und für den US-Regisseur Mel Brooks steht fest: "Lachen ist die beste Herzmuskelmassage, die es gibt. Ich bin mir sicher, dass manche Filme von Chaplin, Keaton und vielleicht sogar der ein oder andere von mir das Leben um mindestens zwei bis fünf Jahre verlängern können." Lachen ist etwas typisch Menschliches. "Wissenschaftlich gesehen handelt sich um eine Fehlinformation an das Gehirn. Zum Beispiel eine Torte im Gesicht die gehört da nicht hin. Das finden wir komisch", erklärt Becker. "Eine Torte auf dem Kaffeetisch schmeckt lecker, ist aber langweilig. Darüber lacht kein Mensch." Das klinge profan, sei aber genau das, was den Menschen von den Tieren unterscheidet. "Die kriegen ja auch schon mal einen Köttel auf den Kopf. Sie lachen aber nicht darüber." Dass Humoristen wie Becker dem Lachen eine heilende Wirkung zuschreiben, müssen sie schon aufgrund ihres Berufes sagen. Die relativ junge Lachforschung, in der Fachsprache als Gelotologie bezeichnet, gibt ihnen recht. Immer mehr Mediziner und Psychologen erkennen Lachen als Heilmittel an. Es aktiviert die Atmung, bringt das Herz-Kreislauf-System in Schwung, stärkt die Immunabwehr und baut Stresshormone ab und Glückshormone auf. Weniger Stresshormone, bessere Blutwerte Beweise lieferte kürzlich Professor Dr. Lee Berk von der Universität Loma Linda in Kalifornien. Er untersuchte mit seinem Kollegen Stanley Tan zwanzig Diabetiker. Der einen Hälfte verordneten die beiden Ärzte zusätzlich zu ihren Medikamenten täglich eine halbe Stunde Heiterkeit in Form eines lustigen Films. Die positiven Effekte zeigten sich bereits nach zwei Monaten. Die Lachtherapie senkte die Konzentration der Stresshormone Adrenalin und Noradrenalin, die Laborwerte für Blutfette und Entzündungsreaktionen besserten sich. Lachen hilft, die Blutgefäße weich und elastisch zu halten. Dies wies eine Gruppe um Professor Dr. Michael Miller, Direktor für vorbeugende Kardiologie an der Klinik der Universität von Maryland, USA, nach. Zeigte sie Patienten eine Filmkomödie, pulsierte das Blut besser. Das Gegenteil geschah, als die Männer und Frauen Szenen eines Kriegsfilms zu sehen bekamen. Die Blutgefäße verengten sich und bremsten die Zirkulation. Studien der Lachforscher ergaben zudem, dass Schmerzpatienten nach nur wenigen Minuten Lachen eine Erleichterung erfahren, die mitunter mehrere Stunden anhält. Dies geschieht unter anderem durch körpereigene entzündungshemmende Stoffe, die ein heiterer Körper vermehrt produziert. "Lachen ist auch der größte Feind des Stresses", erklärt Gudula Steiner-Junker, Clowndoktorin und Lachtherapeutin aus Wiesbaden. Sie bezieht sich auf Ergebnisse der Stoffwechselforschung. "Lachen stoppt auf der körperlichen Ebene die Ausschüttung von Stresshormonen. Auf der seelischen Ebene bringt es uns in Kontakt mit der Lebensfreude, und diese ist das Gesundheitselixier Nummer eins." Auch wenn wir unheilbar krank oder körperlich schwerst verletzt sind, helfe uns das Lachen, weiß Steiner-Junker. Sie zitiert in diesem Zusammenhang gerne die Malerin Frida Kahlo, die nach einem schweren Unfall sagte: "Nichts ist für das Leben wichtiger als das Lachen. Lachen bedeutet Stärke, Selbstvergessenheit und Leichtigkeit. Tragödien sind dagegen etwas völlig Albernes." Es gibt auch Krankenhaushumor Warum Lachen so gesund ist? Darauf weiß auch Kabarettist Becker eine Antwort. "Es schafft Distanz. Wenn wir über etwas lachen, stehen wir darüber. Das macht es einfacher, Dinge wie Krankheiten zu ertragen. Und Lachen tröstet auch." Becker tritt nicht nur auf Kabarettbühnen, sondern auch in Krankenhäusern auf. Zum Beispiel in der Unfallklinik in Duisburg oder im Krankenhaus Merheim in Köln. "Die Ärzte setzen mich ganz bewusst ein. Ich stelle fest, dass ich mit meinem Humor den Patienten sehr gut tue. Gerade in der Klinik finde ich Lachen sehr wichtig. Denn es gibt nicht nur eine Krankenhausseelsorge, sondern auch einen Krankenhaushumor." Das bestätigt Steiner-Junker, die seit 1993 als Clown-Doktorin Dr. Südwind Kinder im Krankenhaus besucht. Gemeinsam mit den Künstler-Kollegen Dr. Holterpolter und Dr. Schnuckelich vom Verein Dr. mad. Clown e.V. besucht sie regelmäßig Kinder der Universitätskinderklinik Mainz und im Stadtkrankenhaus Worms. Lachen auf Rezept Viele Patienten freuen sich über heitere Zwischenspiele. Aber manche möchten lieber in Ruhe gelassen werden. Was macht Steiner-Junker mit Miesepetern? "Wir klopfen immer erst an und fragen, ob die Patienten unseren Besuch wünschen. Wenn sie in Ruhe gelassen werden wollen, respektieren wir das und schicken einen Seifenblasen-Gruß oder einen schönen oder manchmal auch schrägen Klang ins Zimmer", erklärt Steiner-Junker. Lachen per Brechstange das klappt auch für Becker nicht. "Das muss man etwas raffinierter machen. Ich erzähle dann gerne einen Witz, etwa folgenden: Ein Vampir alleine auf einem Tandem. Jetzt hält die Polizei ihn an und fragt: Haben Sie etwas getrunken? Der Vampir: Ja, zwei Radler. Wenn ich das erzähle, muss fast jeder lachen." Und wer zu Hause zum Lachen in den Keller geht? Auch da hat Becker einen Tipp parat. "Ich empfehle, zu Kabarett- oder Comedy-Veranstaltungen zu gehen. Die Menschen müssen ja nicht unbedingt zu mir, sondern können auch gerne meine Kollegen besuchen. Die meisten im Publikum sagen mir nach der Vorstellung, dass ihnen der Besuch gut getan hat." In Sachen Humor kann es für Becker nicht früh genug anfangen. "Natürlich sollen die Lehrer Effi Briest behandeln, aber auch Loriot gehört in den Bildungskanon." Fast jeder kenne das Jodeldiplom, aber die Logarithmen hätten die meisten längst vergessen. Humor als Schulfach und Kabarettbesuche als Leistung der Krankenkassen? Becker: "Genau! Humor auf Rezept." Peter Erik Felzer
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