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Titelthema Wie ich den Diabetes besiegt habe Was den Diabetes besiegt, wissen Forscher und Ärzte heute genau: ungesunde Gewohnheiten über Bord werfen. Doch das ist leichter gesagt als getan. Drei Menschen berichten, wie es ihnen gelungen ist und wie es ihnen damit inzwischen geht.Eines braucht jeder, der seinen anfänglichen Diabetes niederkämpfen will: ein gehöriges Maß an Disziplin. Wer mit deren Hilfe sein Übergewicht deutlich reduziert und sich mehr bewegt, hat gute Chancen, ohne Medikamente auszukommen. Ein Wissen, auf dem auch die Therapieempfehlungen der Deutschen Diabetes -Gesellschaft fußen. Dort steht an erster Stelle nach der Diagnose Typ-2-Diabetes: "Die Basis jeder Behandlung des Typ-2-Diabetes besteht in nichtpharmakologischen Maßnahmen." Das heißt Maßnahmen zur gesünderen Lebensweise und zunächst keine Medikamente. Erst wenn sich nach drei bis sechs Monaten kein Erfolg zeigt, treten Arzneimittel auf den Plan. Viele Menschen nehmen sich die Chance auf neue Lebensgewohnheiten. Sie lassen alles beim Alten und setzen lieber gleich auf Arzneimittel. Da machen der Grafiker Jürgen Grabow, der ehemalige Hauptgeschäftsführer der ABDA Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände, Professor Dr. Rainer Braun, und die Hausfrau Angelika Broschke Mut: Auch sie hätten den einfachen Weg gehen und sofort Arzneimittel einnehmen können. Bewusst haben sie sich aber für den Weg entschieden, der dem Körper langfristig am meisten nutzt den zu einem gesünderen Leben. Denn während Arzneimittel gegen Typ-2-Diabetes vorwiegend die Symptome beeinflussen, senkt ein neuer Lebensstil nicht nur den Blutzucker, sondern er nützt dem gesamten Organismus. Keine Verbote Was haben die drei richtig gemacht? Jürgen Grabow aß gerne Süßigkeiten und trank dazu reichlich Cola. Ein Mensch also, für den Essen in erster Linie Genuss bedeutet. Den hat er sich bis heute erhalten und dennoch seine Gesundheit verbessert. Seine Strategie: kleine Mengen Süßigkeiten einmal pro Tag intensiv genießen. Nicht jedem gelingt es so leicht wie dem 58-Jährigen, sein Essverhalten so radikal und dauerhaft zu ändern. Doch einige Tipps können helfen, dieses Vorhaben so erfolgreich in die Tat umzusetzen wie Jürgen Grabow. Für alle, die Süßigkeiten lieben und trotzdem abnehmen wollen, lautet das Zauberwort "flexible Kontrolle". Was das bedeutet? Dass man zunächst über zehn Tage aufzeichnet, wann man täglich wie viele und welche Süßigkeiten konsumiert. Zeigt das Ergebnis zum Beispiel eine Tafel Schokolade täglich an, muss man sie nicht völlig streichen. Es genügt, sich Folgendes vorzunehmen: Statt jeden Tag eine Tafel esse ich pro Woche nur noch drei (oder zwei oder vier) Tafeln. Und die darf ich mir so einteilen, wie es meinem Verlangen entspricht. Dieses Konzept der flexiblen Kontrolle verhindert Rückfälle. Im Gegensatz zur rigiden Kontrolle, die nichts erlaubt. Da ist das Scheitern beinahe programmiert. Erkennen, was wirklich fehlt Noch eine wichtige Frage: Warum esse ich eigentlich, welche Gefühle lösen die Lust am Naschen aus? Gibt es Verhaltensweisen oder Hobbys, die die Gefühle ebenso befriedigen wie Essen? Mit der Antwort auf diese Fragen hat sich Professor Dr. Rainer Braun beschäftigt: "In meiner Zeit als Hauptgeschäftsführer der ABDA Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände in Berlin war ich den ganzen Tag stark eingespannt, abends kam ich immer erst spät nach Hause. Da habe ich mich dann hauptsächlich von Fast Food ernährt." Mit diesem Verhalten gibt Braun den wichtigsten und häufigsten Auslöser für Nasch- und Fast-Food-Attacken wieder: Stress. Seit er nicht mehr hauptamtlich arbeitet, bleibt ihm genug Zeit, auf seinen Körper zu hören; mit merklichem Benefit für die Gesundheit. Wer in jungen Jahren mitten im Berufsleben steht, hat diese Wahl zwar nicht, er kann aber dennoch mehr beeinflussen als er ahnt. Hier ist Kreativität gefragt. Wer sagt zum Beispiel, dass man jeden Mittag in der Kantine essen muss? Stattdessen käme ein paar Mal pro Woche auch ein flotter Spaziergang infrage ein guter Stresskiller. Oder das Wochenende wird dem Sport gewidmet wie bei Jürgen Grabow: "Jedes Wochenende drehe ich auf dem Golfplatz meine Runden. Da bin ich 16 bis 20 Kilometer zu Fuß unterwegs." Sich begleiten lassen Stress der emotionalen Art ließ auch das Gewicht von Angelika Broschke nochmals hochschnellen. Sie futterte ständig, nachdem ihr Mann verstorben war. Erst harte Fakten haben sie aufgerüttelt und zu einem radikalen Umdenken bewegt: die Aussage ihrer Diabetesärztin, dass sie nicht mehr lange zu leben hätte, wenn sie ihr derzeitiges Essverhalten nicht ändern würde. Frau Broschke -bekam dazu Unterstützung von einer Ernährungsberaterin, die sich speziell auch mit Diabetes auskennt. Das zeigt einen weiteren Weg, wenn Abnehmversuche trotz aller Kenntnis zur Ver-haltensänderung immer wieder scheitern: sich helfen lassen von Experten in Sachen Ernährung; regelmäßige Termine vereinbaren, um bei der Stange zu bleiben. Heute, zwei Jahre nach dem Start ihrer Ernährungsumstellung braucht Broschke die professionelle Beratung nicht mehr. Ihr Gehirn hat die Veränderung verinnerlicht, die Rückfallgefahr ist nur noch gering. Apothekerin Isabel Weinert
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